Was ist der 12 m Shuttle Run Test?

Der 12 m Shuttle-Run Test ist ein  turnspezifischer Ausdauerleistungs-Diagnostiktest.  Er dient dazu, die Ausdauerleistungsfähigkeit von Turner*innen zu bestimmen und kann leicht in jeder Turnhalle durchgeführt werden.


Der 12 m Shuttle Run Test ist ein Pendellauf mit einer Strecke von 12 m zwischen den weißen Bodenmarkierungen der Bodenfläche oder Läufer.  Ziel des Tests ist es, die vorgegebene Laufgeschwindigkeit möglichst lange zu laufen. Die Geschwindigkeit wird über ein akustisches Signal vorgegeben. 

Zahlreiche Studien bei Kindern und Jugendlichen zeigen, dass der herkömmliche 20 m Shuttle Run Test (SRT) ein aussagekräftiger und zuverlässiger Feldtest zur Schätzung der V̇O2max ist (Castro-Piñero et al., 2010; Léger et al., 1988; Mayorga-Vega et al., 2015). 
 

turnspezifische Anpassung 

a) die spezifischen Hallenbedingungen im Turnen werden berücksichtigt (elastischer Wettkampfboden mit einer Fläche von 12 m x 12 m mit häufigerem Abbremsen und Beschleunigen bei verkürzter Strecke) 

b) eine kürzere Testdauer (kürzere Stufendauer mit schnellerer Geschwindigkeitssteigerung)  

Vorteile des 12 m Shuttle Run Test:


  • kostengünstiger und einfach durchführbarer Ausdauerdiagnostiktest 
  • mehrere Personen können bei begrenztem Raum gleichzeitig den Test absolvieren
  • besonders kinderfreundlich, da nur geringe koordinative Fähigkeiten und keine Vorerfahrung erforderlich (Mahoney, 1992). 



 

Warum ist Ausdauerleistungsfähigkeit im Turnen wichtig? 

Kraft und Schnelligkeit gelten als entschiedene allgemeine physische Voraussetzung im Gerätturnen (Jemni, 2013), während die Ausdauerleistungsfähigkeit häufig vernachlässigt wird. Insbesondere seit der grundlegenden Reform des Wertungssystems, haben sich die Wettkampfübungen bei stetig steigendem Schwierigkeitsgrad deutlich verlängert (Seemann-Sinn et al., 2021). Dies erfordert hohe Wiederholungszahlen und große zeitliche Umfänge im Training, wodurch eine gute Grundlagenausdauer und schnelle Regeneration notwendig sind (Arkaev & Sučilin, 2009). Aufgrund des zunehmenden Trainingsumfangs und des frühen Wettkampfalters ist eine angemessene Planung und Kontrolle der Trainingsbelastung im Turnen herausfordernd. 

Das gezielte Training der Ausdauerleistungsfähigkeit bietet folgende Vorteile:

  • Verbesserung der Belastungstoleranz: Eine gut entwickelte aerobe Ausdauerfähigkeit erhöht die Toleranz gegenüber unterschiedlichen Trainingsintensitäten (Sawczyn et al., 2018).
  • Ermüdungserscheinungen verzögert: Dadurch ist eine längere Trainingsdauer mit längerem, konzentriertem, effizientem Techniktraining möglich (Sawczyn et al., 2018) 


  • Verbesserte der Regenerationsfähigkeit: Nach intensiven Trainingseinheiten kann der Körper schneller wieder leistungsfähig sein (Sawczyn et al., 2018).


  • Stabilisierung koordinativer Fähigkeiten: Die Fähigkeit, präzise Bewegungen auch unter Belastung auszuführen, kann die Qualität der Ausführung steigern (Sawczyn et al., 2018).


  • Verletzungsprävention: Die Kombination aus verbesserter Regeneration und höherer koordinativer Stabilität führt langfristig zu einer Verringerung der Verletzungsanfälligkeit (Hassan, 2003).


Daher ist es entscheidend, die aerobe Kapazität von Athlet*innen regelmäßig zu messen, zu beobachten und gezielt weiterzuentwickeln, um Fortschritte im Training zu unterstützen und eine optimale Erholung zu gewährleisten.

Ausdauerdiagnostik im Turnen

Zur Bewertung der Ausdauerleistungsfähigkeit von Eliteturnerinnen werden häufig Laufbandtests mit Atemgasanalysen eingesetzt, die unter Laborbedingungen durchgeführt werden. Diese Verfahren sind jedoch aufwendig, da sie spezielle Infrastruktur, geschultes Personal und hohe finanzielle Mittel erfordern. Daher sind sie für jüngere Athletinnen und Turner*innen außerhalb des Kaders nur schwer umsetzbar (Fay et al., 2022). 

Literaturverzeichnis

Arkaev, L., & Sučilin, N. G. (2009). Gymnastics: How to create champions; the theory and methodology of training top-class gymnasts (2. edition). Meyer & Meyer Sport.

Fay, L., Naundorf, F., Seemann-Sinn, A., & Dörmann, U. (2022). Erprobung eines 12  m Shuttle Runs für Ausdauerdiagnosen im Gerätturnen. In Kompetenzorientierung und  Bewegungsexpertise im Turnen (Bd. 296). Schriftreihe der Deutschen Vereinigung  für Sportwissenschaft.

Hassan, O. (2003). Evaluation sportartspezifischer konditioneller Fähigkeiten bei  Talenten. Ein Vergleich zwischen deutschen und ägyptischen Kunstturn Talenten im Alter von 10-12 Jahren.

Jemni, M. (Hrsg.). (2013). The Science of Gymnastics (0 Aufl.). Routledge. https://doi.org/10.4324/9780203874639

Mahoney, C. (1992). 20-MST and PWC170 validity in non-Caucasian children in the UK. British Journal of Sports Medicine, 26(1), 45–47. https://doi.org/10.1136/bjsm.26.1.45

Sawczyn, S., Biskup, L., Zasada, M., & Mishchenko, V. (2018). Special Endurance of Young Gymnasts: The Role of Aerobic Capacity in Fatigue Development in the Training. Central European Journal of Sport Sciences and Medicine, 23, 59–70. https://doi.org/10.18276/cej.2018.3-06

Seemann-Sinn, A., Brehmer, S., Naundorf, F., & Wolfarth, B. (2021). Development of the routine duration in artistic gymnastics from 1997 to 2019. International Journal of Performance Analysis in Sport, 21(2), Art. 2. https://doi.org/10.1080/24748668.2021.1877601